Ich habe zurzeit einen Praktikanten aus Schweden bei mir im Atelier – und ich muss sagen, der junge Künstler bringt etwas mit, das man nicht lernen kann: echtes Talent.
Schon in den ersten Tagen ist mir aufgefallen, wie selbstverständlich er mit Farben und Formen umgeht. Da ist kein Zögern, kein übermäßiges Nachdenken – er arbeitet intuitiv, fast schon mutig. Genau das ist es, was gute Kunst ausmacht. Technik kann man sich aneignen, aber dieser innere Antrieb, etwas ausdrücken zu wollen, ist entweder da oder eben nicht.
Was besonders spannend ist: Wir sprechen nicht dieselbe Sprache. Unser Austausch ist manchmal bruchstückhaft, oft improvisiert. Und trotzdem funktioniert es. In der Kunst verschwinden diese Barrieren erstaunlich schnell. Ein Blick auf eine Leinwand, eine kleine Korrektur mit dem Pinsel, ein kurzes Nicken – und wir verstehen uns. Kunst wird hier zur gemeinsamen Sprache.
Ich sehe, wie er sich entwickelt. Wie er Dinge ausprobiert, wie er Fehler macht und daraus lernt. Genau so muss es sein. Ich halte mich bewusst zurück, gebe Impulse, aber lasse ihm Raum. Denn nur so entsteht eine eigene Handschrift.
Ob er auf dem Weg zum Erfolg ist? Das lässt sich heute noch nicht sagen. Aber er bringt die wichtigsten Voraussetzungen mit: Talent, Neugier und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Wenn er dranbleibt, kann daraus etwas Großes entstehen.
Und vielleicht ist da auch dieser Gedanke, der mich selbst ein wenig stolz macht: irgendwann einmal sagen zu können – er war bei mir im Atelier. Ich habe ein Stück seines Weges miterlebt. Ich war dabei, als alles angefangen hat.
Für mich ist es immer wieder etwas Besonderes, junge Künstler ein Stück zu begleiten. Und bei ihm habe ich das Gefühl: Das ist erst der Anfang.
